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Los von Rom

Eine Geschichte aus dem Leben

9781465638120
118 pages
Library of Alexandria
Overview
Wer abenteuerliche Verwicklungen, romantische Liebesbeziehungen, oder jenen Naturalismus sucht, der die Wahrheit der Lebensverhältnisse nur in Sumpf und Schmutz finden zu können glaubt, für den ist diese Geschichte nicht geschrieben. Und doch macht sie gerade darauf Anspruch, wahr zu sein und Verhältnisse zu schildern, die dem Leben entnommen sind. Nahezu 25 Jahre sind vergangen, seit der Glaubenssatz von der päpstlichen Unfehlbarkeit in Rom aufgestellt wurde. Es war ein Ereignis, welches die Gemüter der ganzen gebildeten Welt bewegte und die Herzen der katholischen Christen mit bangen Zweifeln und mit Schmerz erfüllte; die Verkündigung jener Lehre hat die volle selbstherrliche Macht Roms einerseits, die Schwäche und Haltlosigkeit kirchlich angesehener Kreise andrerseits bekundet. Schwere Seelenkämpfe wurden damals von manchem ehrlich denkenden Katholiken, zumal von manchem katholischen Priester durchgestritten, und ein Bild solcher Kämpfe habe ich versucht, in diesem Werke vorzuführen. Ich habe gemeint, daß ich nicht ganz unberufen dazu sei; habe ich doch zum Teil an mir selbst erfahren, was ich berichte, und was man auch immer dem Werke zum Vorwurfe machen möge, eines wird nicht bestritten werden können, daß die Verhältnisse des katholischen Klerus, sein Leben und Empfinden, seine Anschauungen und deren Bethätigung auf Grund von Thatsächlichem geschildert sind. Die Gestalten der Erzählung sind wirkliche Typen und gezeichnet ohne jede Gehässigkeit. Ich habe wiederholt beinahe mit einem Gefühl des Mitleids Werke gelesen, zumeist aus weiblicher Feder – denn es mag besonders in dem Cölibat und seinen Folgen für Schriftstellerinnen ein verlockender Reiz liegen – welche von katholischem Priester- und Mönchsleben handeln, und welche trotz aller Lobsprüche der mehr oder minder berufenen Kritik von Unwahrheit in Situationen und Charakteristik strotzen. Ueber solche Verhältnisse vermag nur der zu schreiben, der einerseits ihre ganze erdrückende Schwere und andererseits ihre besondere und tiefere Bedeutung eingehend kennen gelernt hat, und darin liegt, wie ich anzunehmen wage, die Eigenart und die Berechtigung dieser Geschichte zugleich. Ich darf wohl hoffen, daß ich darum auch von Einsichtsvollen weder mißverstanden, noch falsch beurteilt werde, wenn ich derselben mit einer kleinen Abweichung das Wort, welches Lessing von seinem »Nathan« gebraucht, voranstelle: »Wenn man mir sagt, daß ein Werk von so eigener Tendenz nicht auch einen gewissen Wert habe, so werde ich schweigen, aber mich nicht schämen. Ich bin mir eines Ziels bewußt, hinter dem man auch weiter mit Ehren bleiben kann«.